Der Berg ruft – über die größten Alpenpässe

Mit zunehmender Leistungsstärke unserer Aktiven in den 80iger und 90iger Jahren gewann das Sommertraining immer mehr an Bedeutung. Unter der Leitung von Trainer Werner Morath gehörten bald auch intensive Rennradeinheiten dazu. Nachdem im heimischen Raum nahezu alle bekannten Strecken – darunter immer wieder der Kandel von der Waldkircher Seite – bewältigt waren, reifte der Entschluss, mehrtägige Touren außerhalb der Heimat zu unternehmen und große Alpenpässe in der Schweiz, Österreich und Frankreich in Angriff zu nehmen.

Im Laufe der Jahre beteiligten sich unter anderem Hubert und Hermann Schlegel, Klaus und Manuela Straub, Martin Albrecht, Daniel Eckmann, Heiko Hitz, Xaver Knöpfle, Joachim und Michael Willmann, Winfried Knöpfle und Matthias Heizmann.

Die ersten Touren führten in die Zentralschweiz. Susten-, Furka-, Grimsel-, Klausen-, Oberalp- und Nufenenpass stellten enorme Herausforderungen dar. Am Nufenen auf fast 2500 Metern wurden wir von holländischen Busreisenden sogar mit stehenden Ovationen empfangen. Nach rasanten Abfahrten folgten lange Anstiege wie jener zum Gotthard. Neben dem Radfahren mussten wir auch Logistik, Einkäufe und Quartiersuche selbst organisieren – bis Dachdeckermeister Ernst Walter als Sponsor Bus und Fahrer stellte, unterstützt von Edelbert Schlegel als Begleiter. Bei Staus verloren sie uns zwar gelegentlich aus den Augen, fanden uns aber stets wieder.

Weitere Touren führten vom Bodensee über Lindenberg, Oberjoch, Fernpass, durch Paznauntal, über die Silvretta ins Montafon und weiter ins Walsertal. Vorsätze, geschlossen zu fahren, hielten meist nur wenige Kilometer: Auf Flachstücken wurde um Windschatten gekämpft, an Anstiegen attackiert. Am Gipfel warteten trockene Kleidung und Erfrischungen im Begleitbus.

Mit Tipps von Egon Hirt erschlossen wir neue Strecken, etwa über Bödele, Hochtannbergpass und das Hahntennjoch. Von Bad Ragaz aus starteten wir Tagestouren nach Arosa, Davos, über den Flüela- und Julierpass sowie über den Albula – jeder bezwungene Pass ein kleiner Triumph. Meist hatten wir Wetterglück, doch es gab auch Regentage, an denen wir durchnässt und unterkühlt ankamen. Umso mehr genossen wir Sonnentage, etwa mit einem Bad im Starnberger See nach langen Etappen.

Auch Frankreich stand auf dem Programm: Von Grenoble nach Chamonix bildete der legendäre Anstieg zur Alpe d’Huez – nach rund 100 Kilometern Anfahrt und bei großer Hitze – den Höhepunkt. Mit letzter Kraft erreichten wir das Ziel.

Eine weitere Tour führte in drei Tagen mit jeweils rund 150 Kilometern von Langenordnach über den Schwarzwald nach Neustadt/Weinstraße und weiter bis an die Mosel nach Bernkastel-Kues. Die Gastfreundschaft dort – inklusive reichlich Moselwein – forderte uns ebenso wie die Strecke. Eine Schifffahrt auf der Mosel blieb allen in Erinnerung.

Die letzte gemeinsame Tour führte an den Bielersee und in den Schweizer Jura. Weil wir die hohen Pässe meiden wollten, wählten wir niedrigere Höhen – doch der Chasseral mit durchgehend mindestens zehn Prozent Steigung verlangte uns noch einmal alles ab.

Neben aller sportlichen Härte kam die Geselligkeit nie zu kurz. Abends saßen wir in gemütlicher Runde zusammen, freuten uns über Ernst Walters Großzügigkeit und über humorvolle Einlagen wie jene von „Mikel vom ZDF“, der in Partenen mit einer Bierkrug-Wette für beste Unterhaltung sorgte. Auch wenn während der Strapazen mancher an seinem Vorhaben zweifelte, überwog am Ende stets der Solz auf das Geleistete, auf Teamgeist, Kameradschaft und die gemeinsam erlebte imposante Bergwelt der Alpen. Diese Erinnerung möchte keiner missen.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei unseren Premium-Sponsoren, welche die Realisierung des Festkalenders erst möglich  gemacht haben.